Rehkitz-Rettung

Im Monat Juni wird jeweils mit dem Mähen von Bergwiesen begonnen. Während dieser Zeit werden jährlich viele Rehkitze Opfer von Mähmaschinen. Rehkitze haben das angeborene Verhalten, sich in den ersten Lebenswochen bei Gefahr im hohen Gras zu ducken. Deshalb können sie oft nicht früh genug entdeckt werden.
Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten und Massnahmen solche Mähverluste zu verhindern oder zu vermindern. Die Jägersektion Obersaxen und die viele einheimische Bauern  setzen sich aktiv für die Rettung der Jungtiere ein. Moderne Methoden der Rehkitz-Rettung setzen auf Flugdrohnen und Infrarotortung. Es geht aber auch einfacher. Die "altmodische" Methode des Verblendens ist kostengünstig und tatsächlich auch wirksam.

 

1. Anmähen am Vortag
Das Anmähen der Wiese am Vorabend versetzt die Rehgeiss bereits in Alarmbereitschaft! Sie fühlt sich unsicher und bringt unter Umständen ihren Nachwuchs an einen anderen Ort!


2. Verblenden
Damit die Rehgeiss ihren Nachwuchs nicht auf den zu mähenden Wiesen ablegt oder dort bereits abgelegte Kitze wegbringt, können am Vorabend des Mähtages einfache Verblendungen aufgestellt werden wie z.B.:
- Weisse Tücher oder Plastiksäcke auf Stangen
- Baustellen-Warnblinker an Stangen
- Akustische Warnsignale
- Gas-Ballone an Grashalmen festgebunden

Vor dem Aufstellen unbedingt die unmittelbare Umgebung um die Verblendung absuchen. Eine Rehgeiss würde sich eventuell nicht mehr trauen, ihr Kitz in der nächsten Nähe der Verblendung abzuholen!

 

3. Mähen
Das richtige Vorgehen beim Mähen kann bereits Tierleben retten. Folgende Prinzipien sind zu beachten:
- Von innen nach aussen mähen. Wildtiere können weichen und werden nicht isoliert.
- Entlang von Strassen an der Strasse beginnen und von der Strasse weg weitermähen.
- Grosse Parzellen sollten in kleinere Einheiten aufgeteilt werden.
- Grenzt die Wiese an einen Wald, aus Distanz in Richtung Wald mähen.

Das richtige Vorgehen beim Mähen bewahrt nicht mit genügender Sicherheit vor dem Mähtod. Es müssen deshalb am Abend vor dem Mähen zwingend Verblendungen oder Warngeräte aufgestellt werden!

 

4. Gut zu Wissen
Es ist wichtig, dass Verblendungen nur am Vortag des Mähens angebracht werden. Es macht keinen Sinn, diese über Wochen aufzustellen, da sich die Wildtiere daran gewöhnen und der Effekt hinfällig wird. Sobald die Rehkitze ihr natürliches Duckverhalten verloren haben, bringen sie sich mit ihrer Mutter selber in Sicherheit.

Verwaiste Kitze sind sehr selten. Ein aufgefundenes Kitz ist kaum je verlassen und die Geiss oft ganz in der Nähe. Deshalb "Hände weg von jungen Wildtieren". Markieren Sie den Standort und benachrichtigen Sie den Wildhüter oder den Hegeobmann der Jägersektion Obersaxen.
Muss ein gefundenes Kitz aus der Mähwiese getragen werden, dann bitte nicht mit den blossen Händen berühren. Zum Umsiedeln kann neben Einweghandschuhen auch ein Büschel Gras dienen. Gefundene und evakuierte Kitze können in einem unbeobachteten Moment allenfalls auf die Wiese zurück laufen. Während dem Mähen aufgespürte Kitze deshalb mit einem sauberen Harass zudecken, um sie am Weglaufen zu hindern und sie zu schützen. Wird ein Kitz gefunden, so muss immer mit einem zweiten in unmittelbarer Nähe zu rechnen sein. Rehgeissen setzen in der Regel nämlich zwei Kitze!

 

Kontakt
Wenn Sie Unterstützung bei der Rehkitzrettung benötigen, kontaktieren Sie ortsansässige Jägerinnen/Jäger oder folgende Personen:
- Hegeobmann Jägersektion Obersaxen: Christoph Schnider 079 750 00 38
- Wildhüter: Gion Bundi 078 609 99 37